Praxisschwerpunkt Stoßwellentherapie (ESWT)

Zur Geschichte der Stoßwellentherapie in der Medizin

Im Jahre 1980 erfolgte erstmals die Zertrümmerung eines Nierensteines durch von außerhalb des Körpers eingeleitete Stoßwellen (extrakorporale Stoßwellen=ESWT) ohne die umliegenden Gewebe zu schädigen. Dieses Verfahren nennt man Lithotripsie.
Wegen der guten Erfolge lag es nahe Stoßwellen in anderen Bereichen eizusetzen. So wurden gute Erfolge bei nicht heilenden Knochenbrüchen erzielt. Die Erfolgsrate liegt hier bei 75%. Auch wurden Stoßwellen zur Auflösung von Kalkdepots an der Schulter und an Sehnenansätzen z.B. Tennisellbogen und Fersensporn erfolgreich eingesetzt.
Die Stoßwellentherapie wurde zur „Lieblingstherapie“ der Orthopäden und führte im Jahre 1996 zu Kosten von über 60 Mio. DM für die gesetzlichen Krankenkassen. Jährlich kamen 20 Mio. DM dazu. Da damals noch seriöse Studien fehlten wurden die Kosten mit der Begründung fehlender Wissenschaftlichkeit schließlich nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Private Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für die Stoßwellentherapie bei der Kalkschulter und bei Fersensporn, viele auch beim Tennisellbogen und bei Achillessehnenproblemen. In den letzten Jahren konnten zahlreiche Studien die Wirksamkeit der Stoßwellentherapie (ESWT) bei einer Vielzahl orthopädischer Krankheiten nachweisen.

Was sind Stoßwellen?
Bei der Stoßwellentherapie werden außerhalb des Körpers mit einem Gerät Druckwellen erzeugt und in den Körper eingebracht (ESWT). Man unterscheidet die fokussierte Stoßwellentherapie, hier wird die Stoßwellenenergie von außen auf einen Wirkort im Körper, ähnlich einem Brennglas, gebündelt. Die Wirkung wird genau am erkrankten Bereich entfaltet, das umliegende Gewebe wird nicht getroffen. Die fokussierte Stoßwellentherapie wird also eher für tieferliegende Gewebe eingesetzt. Bei der radialen Stoßwellentherapie wird die Druckwelle direkt über die Haut eingebracht und schwächt sich in der Tiefe des Gewebes ab.

Wirkungen der Stoßwellentherapie (ESWT)
1. Lithotripsie (Nieren- und Gallensteinzertümmerung) hierbei werden hohe Energien eingesetzt (Energieflussdichte 1-4mJ/mm2)
2. Förderung des Knochenwachstums (Energieflussdichte 0,4-1mJ/mm2) z.B. bei schlechter Knochenbruchheilung
3. In der Orthopädie werden, außer bei der Behandlung von schlecht heilenden Frakturen, wesentlich niedrigere Energien eingesetzt (Energieflussdichte 0,05-0,4mJ/mm2) hier geht es um Zellregeneration und Schmerztherapie, die dabei auftretenden Wirkungen sind:
• Förderung der Durchblutung (Gefäßneubildung)
• Freisetzung schmerzhemmender Substanzen (Substanz P)
• Ausschüttung von Wachstumshormonen
• Gewebeneubildung und Regeneration
• Förderung der Wundheilung
• Schmerzlinderung z.B. bei myofaszialen Beschwerden

Gibt es Nebenwirkungen und wann darf die Stoßwellentherapie nicht angewendet werden?
Nebenwirkungen sind selten und in der Regel harmlos. Es kann zu Hämatomen (Blutergüssen) kommen, auch können nach der Behandlung vorübergehend die Schmerzen zunehmen, da schmerzauslösende Substanzen aus den Geweben gelöst werden.

Nicht angewendet werden darf die Stoßwellentherapie bei
• Gerinnungsstörungen
• Bösartigen Tumoren
• Akuten Entzündungen
• Bereiche in denen die Lunge, große Nerven- und Gefäßstränge im Behandlungsgebiet liegen
• Im Bereich der Wachstumsfugen

Bei welchen Erkrankungen wird die Stoßwellentherapie (ESWT) eingesetzt?
Am häufigsten eingesetzt wird die Stoßwellentherapie bei der Kalkschulter (Tendinosis calcarea). Die Anwendung ist gut untersucht und die Wirksamkeit nachgewiesen. Es kommt bei der Kalkschulter zur Einlagerung von Kalk in die Sehnen der Schulter unterhalb des Schulterdaches. Die Ursache ist nicht genau geklärt. Angenommen wird eine schlechte Durchblutung bzw. mechanische Überlastung. Ein Kaldepot muss nicht zwingend Beschwerden verursachen, oft wird es als Zufallsbefund bei einer Röntgenaufnahme festgestellt und bedarf dann auch keiner Behandlung. Schmerzen entstehen wenn es zur Reizung und Entzündung des umgebenden Gewebes kommt. Es kann dabei zu heftigsten Beschwerden kommen, dieser Prozess geht oft mit einer beginnenden Selbstauflösung des Kalkdepots einher. Auch kann es ohne große Schmerzen zur spontanen Auflösung des Herdes kommen und die Schulter kann sich ohne Therapie regenerieren.
Häufig kommt es jedoch zu akuten oder chronischen Beschwerden die eine Behandlung notwendig machen.

Diagnose der Kalkschulter
Die sicherste Methode zur Darstellung des Kalkdepots ist das Röntgen und die Ultraschalluntersuchung. Alternativ kommt auch die Kernspintomographie in Frage, die begleitende Veränderungen darstellen kann.

Therapie der Kalkschulter
Zunächst stehen konservative Maßnahmen mit der Gabe von entzündungshemmenden Medikamenten oder Injektionen sowie Physiotherapie im Vordergrund. Bei entsprechenden Beschwerden bzw . Beschwerdepersistenz steht heute die Stoßwellentherapie zur Verfügung. Mit der Extrakorporalen Stoßwellentherapie (ESWT) gelingt es häufig die Auflösung des Kalkdepots durch den Körper einzuleiten bzw. zu induzieren so dass heute Operationen zum Glück selten geworden sind.

Ablauf einer Stoßwellentherapie
Die Stoßwellentherapie wird ambulant durchgeführt und dauert ca. 15 Minuten. Der Schallkopf wird über ein Gelkissen auf die Haut aufgelegt. Die Energie wird nach der Diagnose, Lage, Größe und den dabei auftretenden Beschwerden eingestellt. Da nicht eine Zertrümmerung wie bei der Behandlung von Nierensteinen angestrebt wird, sondern die Aktivierung einer Gefäßneubildung und die Freisetzung schmerzhemmender Substanzen (Substanz P) genügt eine niedrige Energie, so dass keine Betäubung notwendig ist. In der Regel sind 3-5 Sitzungen im Abstand von 1-2 Wochen notwendig. Je nach Verlauf können auch physiotherapeutische Maßnahmen notwendig sein.

Wann muss operiert werden?
Operationen sind durch die Stoßwellentherapie zum Glück sehr selten geworden. Führen nicht operative Maßnahmen wie Physiotherapie, Injektionen und die Stoßwellentherapie innerhalb von 6 Monaten zu keiner Beschwerdelinderung muss eine Operation überdacht werden.

Weitere Erkrankungen die mit der Stoßwellentherapie (ESWT) erfolgreich behandelt werden können
Fersensporn – Fasciitis plantaris Die Beschwerden entstehen meist am Übergang vom Fersenbein zur Plantarfaszie (Fußsohlenband), der knöcherne Sporn, der sich im Röntgenbild darstellt ist oft nicht entscheidend.
Epicondylitis humeri radialis und Epicondylitis humeri ulnaris (Tennis und Golferellenbogen)
Achillodynie (Achillessehnenentzündung), weitere Sehnenentzündungen wie Tibialis posterior – und Tibialis anterior Syndrom, Läuferknie, Patellaspitzensyndrom
Bursitis Trochanterica (Ansatztendinose am Hüftknochen) , die Diagnostik ist äußerst schwierig da meist auch eine Muskelproblematik (M. piriformis) besteht, auch kann eine Beckenfehlstellung, Hüftgelenkarthrose oder eine Ischiasreizung ursächlich sein.
Muskelverhärtungen – Myofasziale Beschwerden (siehe unter myofasziale Beschwerden)
Wundheilungsstörungen z.B. Ulcus cruris (Offene Beine)
• Muskelverletzungen (Die Stoßwellentherapie führt nach einer Studie der Uni Salzburg, zu einer beschleunigten Regeneration von Muskelverletzungen
Erektile Dysfunktion (Erektionsstörung) durch die Gefäßneubildung wird die Durchblutung deutlich verbessert. Quelle: Vardi Y et al.: J.Urol 2012 ; 187 (5): 1769-75 Fazit der Studie: Aufgrund der Resultate sowie der breiten Verfügbarkeit und guten Verträglichkeit scheint die ESWT eine geeignete Therapieoption bei erektiler Dysfunktion zu sein.

Kosten der Stoßewellentherapie
Private Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für die Stoßwellentherapie bei der Kalkschulter und beim Fersensporn, viele auch beim Tennisellenbogen und bei Achillessehnenbeschwerden. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen, trotz der inzwischen guten Studienlage über die Wirksamkeit, die Kosten für die Stoßwellentherapie nicht. Die Kosten müssen also selber bezahlt werden. Grundsätzlich liegen die Kosten für die radiale Stoßwellentherapie niedriger, da die radialen Stoßwellentherapiegeräte deutlich günstiger sind als die fokussierten Geräte. Die Kosten liegen je nach Aufwand und Gerät zwischen 60 und 190€. Vor der Therapie wird der Patient ausführlich über die zu erwartenden Kosten aufgeklärt. Da in unserer Praxis sowohl ein fokussiertes, ein radiales und ein kombiniertes Stoßwellengerät zur Verfügung steht kann je nach Beschwerdebild das am besten geeignete Gerät kurzfristig eingesetzt werden